Eschollbrücken, den 14. Juli 2019

Liebstes Leben!
Am Sonntag haben mein Freund und ich beschlossen uns mal wieder auf Drahtessel zu setzen und da wir beide Geocaching lieben, war unser Ausflug an jenem Tag schon beschlossene Sache.
Nachdem wir uns einen kleinen veganen Snack, Brote mit Apfel, etwas zum Trinken unter anderem in meiner heiß geliebten Soulbottle und tausend andere, wahrscheinlich nur seminützliche Kleinigkeiten eingepackt hatten, haben wir uns auf die Jagd gemacht. Kurze Anmerkung: Philipp hat den Inhalt meines Beutels radikal in seinen Rucksack umgeschlichtet und tapfer die ganze Zeit getragen, was ich unglaublich toll fand. Wer braucht schon materielle Dinge, wenn man so eine liebe Geste haben kann.
Geplant waren eigentlich zwei Multis, wobei es am Ende etwas anders kam. Nach ein paar Startschwierigkeiten, also einem platten Reifen mit verlorenem Ventil und einer bockigen App, (Philipp ging siegreich aus beiden Kämpfen hervor, während ich mich verzweifelt in Ungeduld übte) ging es nun wirklich los und wir radelten von Eschollbrücken zu CITO Kurzmulti. Da wir beide allerdings weniger talentiert sind was Geduld anbelangt, haben wir recht schnell wieder aufgegeben, obwohl wir sogar einen Müllbeutel eingepackt hatten, um brav, wie der Cache es verlangt, die Umgebung von Unrat zu befreien.

Grummelig, weil wir oft nichts fanden, radelten wir weiter und ich quälte mich mit dem herrlich ästhetischen, aber schrecklich unpraktischen Hollandrad von Philipps Mama den kleinen Damm nach oben, wo es zur ersten Stage des Multis „juDoFi“ und „CanisLupus17 in Love ging. Lustig in den Hinweisen und Kommentaren stöbernd, war dieser ratzzuck von mir entdeckt und ich war höchst zufrieden, einmal die erfolgreichere Jägerin gewesen zu sein. Ein kleiner Triumph, der so schön ist.

Stage 1: Spoiler Alert

Brav bekam ich zur Belohnung ein Küsschen – eventuell sogar einen ausgewachsenen Kuss. Ein bisschen seliges Herzaufgehen für zwischendurch. Dieses Foto weigert sich allerdings standhaft das Internet zu beehren. Zu schade aber auch. Philipp, der nicht umsonst der weltbeste Webseiten-Engel hier ist, tüftelte die nächsten Koordinaten aus und schon ging es weiter zur zweiten Stage.

Von Stage 1 zu Stage 2

Dort irrten wir erst einmal fehlgeleitet umher und stiefelten nicht ganz so legal auf dem Sportplatz herum. Ein spannendes Gefühl war dieses kleine Abenteuer. Natürlich haben wir alles so verschlossen zurückgelassen, wie wir es vorgefunden haben. Doch als wir schon fast aufgeben wollten, klingelte es in meinem Kopf und siehe da, die Intuition hatte nicht getrogen und ich angelte dankbar das Döschen aus seinem Versteck, während sich der halbe Wald an meine Jacke heftete. Ich wette, ich finde noch Tage später, diese kleinen runden und furchtbar anhänglichen Kletten an meiner Kleidung. Aber auch wenn ich mosern werde, ein wenig Erinnerung rufen sie auch wach.

Stage 2: Spoiler Alert

Die Ergebnisse der zweiten Stage wollten uns allerdings mitten in die Pampa führen. Philipp hat dann in seinen Jugenderinnerungen gegraben und uns auf gut Glück zum Final geführt. Stolz wie Bolle und höchst zufrieden packten wir unsere Namen in das Logbuch.

Final von juDoFi“ und „CanisLupus17 in Love

Danach beschlossen wir den Eschollbrücker Tempelcache von Philipp selbst zu warten, der offensichtlich mitten in den Wicken verschüttgegangen war. Irgendwelche verhaltenskreative Menschen oder garstige Muggel hatten ihn offensichtlich verschusselt. Und doch, so wenig ich dieses Verhalten schätze, so sehr lässt es uns auch teilhaben an einem Leben mit Höhen und Tiefen. Zeigen letztere uns nicht unsere Stärke?

Hier huschte das Eichhörnchen völlig unbeeindruckt seiner Wege und ich blieb staunend wie ein kleines Kind zurück. Wunder verlieren nicht ihr Faszinosum.

Nachdem ich dort mit den Dornen Bekanntschaft gemacht hatte, ließ ich Philipp allein suchen und bestaunte in der Zwischenzeit die Natur. Leise hopsend wuselte ein Eichhörnchen vorbei, das sich leider nicht für eine Modelkarriere zur Verfügung stellen wollte, während im Hintergrund romantisch die Autobahn rauschte. In das kleine Tierchen schockverliebte ich mich natürlich sofort. Auf leisen Sohlen schlich ich umher und war wieder einmal bass erstaunt, wie wortwörtlich wundervoll die Natur ist und wie wenig sorgsam wir mit ihr umgehen. Ich will nicht wissen wie viel Müll ich unterwegs hätte sammeln können.
Frustriert tauchte mein Freund schließlich wieder aus den Büschen auf und ich frage mich, wie er es schaffte, nicht über und über mit Kletten behängt oder von Dornen zerkratzt zu sein. Seine Jagd war allerdings wenig erfolgreich gewesen.

Mit einem einem Ritt auf unseren Drahteseln ging es nach Pfungstadt zur Apotheke, anschließend beschlossen wir auf der Heimfahrt noch zwei Tradis zu jagen. Notiz am Rande. Ich hatte vergessen mir Antiallergikum mit zu Philipp zu nehmen und die Miez seiner Mama war eben doch zu anhänglich gewesen.
Beim Pfungstädter Bücherschrank war es nur ein Griff und schon standen wir im Logbuch. Während Philipp sich von seiner erfolgreichen Jagd erholte, verlor ich mich in den Untiefen, dieses wunderbar gepflegten, sortierten und gut bestückten Schränkchens. Was für ein kleines Paradies wird in solchen Schränken geschaffen. Völlig weggetreten lootete ich mir sieben Bücher zurecht, während Philipp heftig protestierte, dass in seinem Rucksack höchstens drei Bücher Platz hätten.
Süchtig wie ich bin, kam das natürlich nicht in Frage und ich band mir ein Bündelchen aus meiner wohlweislich mitgenommenen Jacke zurecht und schnallte grinsend das Päckchen auf meinen Gepäckträger. Stelle dich nie zwischen einen Junkie und seinen Stoff. Nächstes Wochenende werde ich selbstverständlich sieben andere Bücher zurückbringen. Und um die Frage vorweg zu nehmen, das Lesefutter purzelte nicht von meinem Rad.

Ganz zuletzt hoben wir – also Philipp – das Döschen vom Pfungstädter Schachtelwirt, beschlossen so einen wundervollen Tag und machten uns auf in die heimatlichen Gefilde nach Eschollbrücken, wo uns Philipps Papi zum Abendessen einlud.
Und jetzt liebes Leben gehe ich nach neuen Abenteuern jagen.