er und du

Von Mauern umgeben, gemeißelt aus Stein,
lebe ich ein Leben für mich ganz allein.
Und so zieh ich sie hoch, die Mauern um mich,
so hoch in den Himmel, erstrecken sie sich.

Das Wissen vereint sich, unumstößlich die Macht.
Es gibt keinen Turm mehr, wohl auch keinen Schacht,
kein einziges Ritzlein, kein einziger Spalt,
nichts dringt herein, denn rohe Gewalt.

Und da draußen da tobt es, singt lieblicher Klang,
wüten die Winde, schon Jahrtausende lang.
Ein Meer, das ein Menschenherz füllt,
und jene die bangen, als es dann brüllt.

Die tosenden Fluten, die schäumende Gischt,
das Zittern der Mauern, das Licht, das erlischt.
Ich warte auf ihn, steh hier ganz allein,
schließe die Augen, verloren und klein.

Das leise Klopfen, das hörte ich nie,
das liebliche Singen, das bittet: „Oh sieh…“
doch ich sehe nicht, ahn‘ nur durch den Stein,
nett ist dein Fragen, mein Streben zu klein.

Und ich, die allein ist in sich gefangen,
steht und hofft, mit Beten und Bangen.
Dann ist er da, die Wogen die beben, die Winde die droh‘n,
kein einziges Aug’ schließt sich, niemand kann ruh’n.

Und der Zorn geht hernieder, die Steine sie fall’n,
Fäuste ballen sich, schlagen und krall’n.
Und voll Schrecken, die leuchten, die Augen so rot,
mein Herz ist bei dir und doch ist es tot.

Und im Raum voller Kerzen, die nicht mehr brennen,
das Leben… Der Körper, will nur noch rennen.
Seine Hand, sie holt aus, der Körper zur Erde,
sein Kuss auf den Lippen, der mich all dies lehrte.

Hand an der Kehle, rote Augen die sehn,
ich weiß, er wird über mir stehen,
und wir tanzen gebunden und ich unterlag,
die Mauern steh’n wieder noch ehe der Tag,

sein Antlitz erhebt und du siehst herein,
liebst mich, doch bin ich nicht allein.
Wenn auch am Boden mein Herz er trat,
ich jauchzte, denn ich spürte, es war ein Schlag.

Und du am Fenster, das bald nur noch war,
ich wünschte du wärst es, der all dies sah.
Und ich wünschte er ginge, du bliebest hier,
doch baut‘ ich die Mauern, es liegt nur an mir.