Münchberg, den 7. November 2014

Kommentar
Wenn ein Busfahrer „streikt“, weil die Züge nicht mehr fahren…

Sind die Kinder und Jugendlichen, die weiterführende Schulen außerhalb von Münchberg besuchen und auf die Züge der deutschen Bahn angewiesen sind, nicht schon genug „gefordert“? Denn allmorgendlich quälen sie sich in den Zug um 6:55 nach Hof. Der meist recht voll ist, in dem es meist recht laut ist und in dem diejenigen, die jeden Tag nach der Zugfahrkarte fragen immerhin leidlich freundlich sind. Allmorgendlich dürfen die Schüler ihr Ticket nicht vergessen, immer recht freundlich sein und pünktlich sowieso – ganz im Gegensatz zum Zug. Aber die meisten dieser Heranwachsenden tun dies gerne, mehr oder weniger, tun es für ihre Bildung, die sie in diversen Schulen in Hof erhalten.
Diese Bildung lässt sie auch teilweise nachvollziehen, dass die GDL ein Recht hat zu streiken. Weniger Arbeit für mehr Geld hört sich auch in ihren Ohren verlockend an. Es ist zwar ärgerlich, wollen wir es sehr hochtrabend ausdrücken, handelt es sich bereits um dem Superlativ von ‚ärgerlich‘, aber irgendwo im Hinterkopf befindet sich ein Eckchen Verständnis.
Erfreulicherweise fahren auf der Strecke zwischen Hof und Münchberg auch Züge der Agilis, weshalb das nach Hause kommen während der Streiks zumindest möglich ist – wenn auch nicht zur gewünschten Zeit. Auch zu solch unchristlichen Zeiten wie z. B.: noch vor sieben Uhr morgens ließe es sich im theoretischen Sinne regeln, in die Schulen zu kommen. Wäre da nicht der Konjunktiv.
Jeden Morgen, von montags bis freitags fährt ein Bus um 6: 50 Uhr nach Hof bis zum Busbahnhof und vorher über einige Haltestellen. Dieser Teil funktioniert in der Praxis auch.
Weiterhin ist Deutschland ein Rechtsstaat, demnach, muss sich jeder an Recht und Gesetz halten. Man fragt sich nun, was der Bus um 6:50 Uhr mit dem deutschen Rechtsstaat zu tun hat. Diese Frage ist durchaus berechtigt, und kurz und prägnant mit den beiden Wörtchen „nicht viel“ zu beantworten – zumindest an jenem Freitag, den 7.11.2014.
Voller Eifer, waren die Tücken des Internets überwunden und einige, die sich über diesen Bus informiert hatten, standen am nämlichen Freitag an der Haltestelle und wollten nach Hof fahren, um in der FOS/BOS ihr Abitur zu erlangen. Soweit die Theorie.
Der Bus kam, die anderen Fahrgäste stiegen ein, doch wehe, man wollte mit dem Zugticket einsteigen. Welch‘ Anmaßung, das könne man doch nicht dulden, so die Aussage. Dass dies am Tag zuvor möglich gewesen ist, interessierte am Freitag nicht mehr.
Doch auch dafür zeigte der biegsame Geist der Jugend noch Verständnis und ohne Murren wurde sofort das Angebot unterbreitet, man könne gerne ein Busticket erwerben. Doch, Pustekuchen, denn der Busfahrer sagte sein Vorgesetzter wäre der Ansicht, dass diejenigen, die normalerweise mit dem Zug fahren nicht mitgenommen werden können. Begründung: Der Bus wäre sonst überfüllt. Im Unterrichtsfach Deutsch würde vermutlich gesagt werden, dass es sich hierbei um eine vortreffliche Argumentation handelt, zumal nur fünf Kinder bzw. Jugendliche einsteigen wollten, der Bus sogar noch so leer war, dass noch einige Sitzplätze unbesetzt waren und es sich zu allem Überfluss auch noch um einen sogenannten Gelenkbus handelte. Nach dieser Aussage blieb den Heranwachsenden nur noch übrig zu denken, der Busfahrer könne sie etwas, was er bei Goethes Götz von Berlichingen nachlesen könne. Oder, falls der Busfahrer nicht daran interessiert sei ein Schauspiel zu lesen, stünde auch noch das Personenbeförderungsgesetz zur Verfügung, z.B.: § 22 (Beförderungspflicht).