Wenn niemand versteht

Nach
einer wahren Begebenheit

1. Vier Jahre

[…]
Sie ist vier und sie versteht es nicht.
Und die Bomben, die fallen.
Und die Bomben, die treffen. […]
Und sie läuft, die Mutter, die sie am Arm zerrt. […]
Und sie sind im Luftschutzkeller und es ist dunkel und sie sind still. […]
Sie ist vier und sie ist neugierig, will wissen, was da los ist. […]
Und sie steht da und am Himmel sind Flugzeuge, so weit oben und sie lassen Dinge fallen. […]
Und dann tut es weh. […]
Und es ist 1944.
Und es ist Krieg.
[…]

2. Hannelore

Hannelore ist ihre Nichte. […]
Hannelore ist fünf. […]
Und sie spielt mit Hannelore mit den Dingen, die der Krieg ihnen gelassen hat. […]
Und am Morgen ist Hannelore krank. […]
Der Morgen kommt und man holt Hannelore ab.
Man trägt das Kind davon, zum Arzt und so lange sie lebte, sieht sie die langen schwarzen Haare, die im Wind wehen. […]
Und ich weiß nicht mehr, wer von beiden wusste, dass Hannelore nicht wiederkommen würde. […]
Und Hannelore verstand es nicht.
Und Hannelore hat den Krieg überlebt.
Sie starb an Polio.

3. Sieben Kinder

[…]
Eine Mutter. […]
Der Vater ist tot.
Nicht im Krieg gestorben, doch der Krieg hat ihn umgebracht. […]
Acht Teller.
Ein Topf voll Hunger.
Eine Hand voll Essensmarken. […]
Das Jüngste geboren.
Das Älteste 18. […]
Das verstehen sie.
Sie haben Hunger, weil es nichts zum Essen gibt.

4. Spiegel

Und da ist ein Bild.
Eine Schulklasse. […]
41 Schicksale […]
1948. […]
Und ich blicke in die Vergangenheit und die Gegenwart. […]
Und die Bomben, die trafen.
Und die Bomben, die treffen. […]
Und da sind Menschen, die fliehen aus ihrer Heimat. […]
Nur eben wo anders. […]
Und ich, ich verstehe es nicht. […]

Auszug aus dem Text